Deutsche Erinnerungskultur stärken – Johannes Selle (CDU) im Gespräch mit Dr. Anna Kaminsky

BERLIN. Über die zukünftige politische Ausrichtung der deutschen Erinnerungspolitik haben sich Anna Kaminsky, Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, und Johannes Selle, stellvertretender Ausschussvorsitzende für Kultur und Medien, ausgetauscht.

Deutschland sieht sich in besonderer Weise dafür verantwortlich, die Erinnerung von Diktatur und deren Folgen wachzuhalten. „Das Gedenken und Erinnern ist auch in dieser Legislaturperiode ein wichtiges politisches Anliegen. Schließlich begehen wir 30 Jahre Friedliche Revolution und 30 Jahre Deutsche Einheit.“, so Selle.

„Für viele Länder ist Deutschland ein Vorbild sowie gefragter Ansprechpartner, Berater und Unterstützer. Das ist vor allem in der aktuellen Weltpolitik spürbar“, stellt Johannes Selle im Gespräch mit internationalen Gäste immer häufiger fest.

Anna Kaminsky ist seit 2001 Geschäftsführerin der Bundesstiftung. Anstoßen und Fördern, Informieren und Vernetzen sind die Leitmotive der Stiftungsarbeit. Im gemeinsamen Gespräch stellte Anna Kaminsky die umfassenden Aufgaben vor, die von einem vielfältigen Informationsangebot über Organisation von Kolloquien und Weiterbildungen bis zur Förderung von Projekten reicht. Darüber hinaus leistet die Stiftung einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildung sowie der schulischen und außerschulischen Bildung.

Johannes Selle betont: „Wir wollen noch mehr jüngere Menschen für diese Thematik sensibilisieren. Damit stärken wir die deutsche Erinnerungskultur. Die Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit trägt dazu bei, dass sich demokratische Strukturen für die Gegenwart und Zukunft festigen.“ Daher sollen zukünftig noch mehr Gedenkeinrichtungen bei der Weiterentwicklung ihrer pädagogischen, digitalen und audio-visuellen Vermittlungskonzepte unterstützt werden. Neben der Stärkung der pädagogischen Arbeit wird die Initiative „Jugend erinnert“ ins Leben gerufen. Austausch und Begegnungen mit Zeitzeugen sowie Gedenkstättenfahrten mit entsprechenden Workshops für Schulklassen sind Teil der geplanten Förderinitiative des Bundes.

Im Zeitraum zwischen 1992 und 1998 beschäftigten sich zwei Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestages mit der Geschichte und den Folgen der SED-Diktatur. Johannes Selle war u.a. Mitglied der zweiten Enquete-Kommission, die die Empfehlung an den Deutschen Bundestag gab das Gesetz über die Errichtung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Daraufhin wurde diese im Herbst 1998 gegründet. Derzeit bearbeitet die Stiftung ca. 250 Anträge pro Jahr. Die Bewältigung der zahlreichen Anträge ist mit einem großen Arbeitsaufwand verbunden. Johannes Selle spricht sich daher für eine weitere Stärkung der Gedenkeinrichtungen aus.

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