Johannes Selle besichtigt in Klettbach den Ausbau einer Scheune zur ersten EU-Schlachtstätte ohne Tiertransport für Thüringen

WEIMARER LAND. Bundestagsabgeordneter Johannes Selle informierte sich am Freitag bei Nebenerwerbslandwirt Ricky Bärwolf vor Ort in Klettbach über den Stand des LEADER-Projekts „Ausbaus einer Scheune zur EU-zertifizierten Schlachtstätte“ für Tiere aus Weidehaltung. Gleichzeitig besichtigte er den bereits gelieferten mobilen Schlachteanhänger MSE-200, welcher eine angst- und stressfreie Schlachtung von Weidetieren erstmal in Thüringen ohne Tiertransport ermöglichen wird.

Landwirt Bärwolf betreibt seit 2016 einen Gäa-Biobetrieb als Familienbetrieb im Nebenerwerb. Seine Mutterkuhherde aus derzeit 25 Tieren sowie die 80 Schafe, darunter die vom Aussterben bedrohten Leineschafe, versorgt er fast ganzjährig auf 70 ha Weideland, wobei es sich zum großen Teil um Flächen in Hanglagen, auf Magerrasen, Naturschutzflächen oder Streuobstwiesen handelt.

Dabei hatte Anfang der 2000er Jahre alles ganz klein angefangen mit zwei Rindern für den Eigenbedarf und etwas Selbstvermarktung von Heu auf eigenen Flächen in der Gemarkung Klettbach. Aus Liebe zu den Tieren entstand zunächst ein Biobetrieb und dann der Wunsch nach einer artgerechten Schlachtung. Umfangreiche Recherchen führten ihn zur Interessengemeinschaft „Schlachtung mit Achtung“, die gemeinsam mit der Firma „Mobile Schlachttechnik GbR“ eine Lösung für die mobile angst- und stressfreie Schlachtung für Baden-Württemberg entwickelt hatte. Diese Lösung besteht aus dem Fahrzeuganhänger (MSE 200A), der als mobiler Teil einer EU-Schlachtstätte mittlerweile genehmigt ist, weil er alle Vorgaben des EU-Hygienerechts erfüllt. Auf dem langen Weg zur Vorbereitung der Zertifizierung seines Betriebes durch das Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz ließ sich Familie Bärwolf nicht entmutigen. Leider mussten sie aber feststellen, dass dieses Projekt ihre finanziellen Möglichkeiten als kleiner Nebenerwerbsbetrieb überschreitet.

Johannes Selle hatte sich den Biobetrieb bereits im Oktober 2019 angeschaut und sich das Vorhaben erläutern lassen. „Aus meiner Sicht ist dieses Projekt sehr innovativ und hat Pilotcharakter, welcher förderungswert ist.“ war sich Selle damals schnell sicher. „Meines Wissens gibt es diese Art der stressfreien Schlachtung von Weidetieren in ganz Thüringen bisher noch nicht, deshalb unterstütze ich das Anliegen gern.“ Der Abgeordnete fügte bekräftigend hinzu: „Die Tiertransporte bis zum Schlachter werden immer länger, was gerade seit der vollständigen Schließung des Schlachthofs Nohra im Weimarer Land noch akuter geworden ist. Durch die Ausschüttung der Stresshormone leidet das Tierwohl, aber auch die Fleischqualität erheblich.“ Deshalb unterstützt Johannes Selle Familie Bärwolf immer wieder bei der Überwindung der verschiedenen bürokratischen Hürden für die Förderung und macht Mut den Weg weiterzugehen. Sodass im Frühjahr diesen Jahres die Förderung als LEADER-Projekt durch das positive Votum des RAG- Fachbeirat im Weimarer Land ermöglicht wurde. „Familie Bärwolf hat mit viel Idealismus, persönlicher Tatkraft und unter Einsatz zahlreicher eigener finanzieller Mittel die Vorreiterrolle für Bioweidefleisch in Thüringen übernommen. Dabei habe ich gern geholfen.“, sagte Selle zum Abschluss seines Besuches am vergangenen Freitag in Klettbach.

Im Oktober 2021 soll das Schlachthaus mit der ersten angst- und stressfreien Schlachtung in Thüringen eingeweiht werden. Es gibt schon viele Anfragen von kleinen Landwirten der Region, die die mobile Schlachtung mitnutzen möchten.

 

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