Politische Reise in die Hauptstadt Berlin

Gastbeitrag von Johanna Arenhövel, Gemeinderätin Großrudestedt und  Teilnehmerin an einer politischen Bildungsreise

In der Zeit vom 11. bis 13. März 2020 starteten wir früh um sieben Uhr mit einer Reisegruppe von 38 Personen vom Busbahnhof in Sömmerda. Eingeladen dazu hatte Johannes Selle (CDU), Mitglied des Deutschen Bundestages.

Die Mitreisenden waren alles politisch interessierte Leute, in weiten Teilen auch solche, die sich ehrenamtlich und aktiv in der Kommunalpolitik für die Anliegen der Bürger einsetzen. Wir alle waren sehr gespannt darauf, was uns in Berlin erwartet – und das nicht nur wegen der Politik, denn inzwischen hatte sich die Corona-Pandemie bereits angekündigt und es war keineswegs sicher, ob diese Fahrt überhaupt stattfinden kann.

Nach unserer Ankunft besuchten wir die Gedenkstätte „Berliner Mauer„ in der Bernauer Straße, die in Berlin-Wedding liegt. Hier wurden uns die schlimmen Folgen der deutschen Teilung und die Abschottung durch das SED-Regime deutlich vor Augen geführt. Auch wenn in Berlin zum Glück nicht mehr viel von dieser unmenschlichen Grenze zu sehen ist – allein hier gab es über 140 registrierte Todesopfer, so ist es auch heute noch eine bedrückende Erfahrung aus der jüngeren deutschen Geschichte. Denn trotz der Mauer und dem dahinter liegenden Grenzstreifen haben die Menschen immer wieder versucht, der Diktatur zu entfliehen.

Diese Thematik setzte sich am nächsten Vormittag beim Besuch der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung fort. Ein beeindruckender Film über das Leben Willy Brandts zeigte insbesondere Bilder aus dem geteilten Berlin, dessen Regierender Bürgermeister er war. Für uns Thüringer von besonderem Interesse war der Besuch von Willy Brandt 1970 in Erfurt, an den sich die Älteren aus unserer Gruppe lebhaft erinnern konnten. Fasziniert waren wir alle von den Modellen, die das Leben im geteilten Berlin nachgebildet haben.

Unser Betreuer aus dem Bundespresseamt versorgte uns immer mit den neuesten Informationen zum Thema der Corona-Epidemie. Das machte uns einige Sorgen und es war nicht geklärt, ob wir überhaupt noch in den Deutschen Bundestag dürfen. Denn die Kuppel auf dem Reichstagsgebäude war bereits geschlossen. Dann haben wir erfahren, dass wir die letzte Reisegruppe sind, die den Bundestag besuchen darf. Nach dem Sicherheitscheck konnten wir auf der Besuchertribüne Platz nehmen und eine interessante Debatte zum Thema der Personalstandards bezüglich des Pflegepersonals in deutschen Krankenhäusern erleben. Es war eine sehr sachbezogene Diskussion, bei der sich alle Bundestagsabgeordneten in dem Ziel einig waren, dass wir mehr Fachkräfte benötigen. Inzwischen hat diese Frage ja einen hohen Grad an Aktualität erreicht, den wir uns dort so noch nicht vorgestellt hatten.

Im Anschluss hatte Johannes Selle als unser Bundestagsabgeordneter Zeit für uns gefunden. Über eine Stunde lang hat er unsere Fragen zur Politik beantwortet und mit uns gemeinsam diskutiert. Eigentlich war hier die Zeit viel zu kurz, denn gerade wir Thüringer hatten auch viele Fragen mitgebracht. Beispielsweise, wie man eine stabile Regierung hinbekommt, wenn die Stimmen aus der demokratischen Mitte hierfür nicht mehr ausreichend sind.

Im „Tränenpalast“ konnten wir erfahren, wie Transitreisende von Ost- nach Westberlin bzw. von West- nach Ostberlin gekommen sind. Durch die bis heute noch erhaltenen Abfertigungsstellen und die Tunnel, bekam man zumindest eine Ahnung davon, wie es hier zuging, wie Familien getrennt wurden und wieder zusammen fanden.

Am letzten Tag erlebten wir eine hoch interessante Stadtrundfahrt, bei der uns viele politisch bedeutsame Gebäude gezeigt worden sind, so u. a. natürlich das Brandenburger Tor, das Olympiastadion oder das Schloss Bellevue, dem Sitz des Bundespräsidenten.

Abgerundet wurde unsere Fahrt mit einem Informationsgespräch im Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat. Die Struktur und Arbeitsweise wurde uns genauso vorgestellt wie die Inhalte, mit denen sich das Ministerium beschäftigt. Gleichwertige Lebensverhältnisse in den Städten und im ländlichen Raum, allein dieses Ziel erfordert ganz sicher sehr viel Energie und Tatkraft.

Wir waren ein wenig erschöpft von all den vielen Begegnungen und Eindrücken, als wir am Nachmittag des 13. März 2020 die Heimreise antraten. Aber wir konnten viel erfahren und verstehen so manches aus der Politik nun etwas besser.

Ein herzlicher Dank geht an Johannes Selle für die Einladung, seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die Organisation, dem Bundespresseamt für die Betreuung und natürlich unserem Busfahrer, der uns sicher an alle Ziele gebracht hat.

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